Sitzmöbel

Typisch für die Aachen-Lütticher Sitzmöbel sind Sessel mit Binsengeflecht oder Polsterung. Die Lehnen sind durchbrochen und tragen zwei schmale geschweifte Längsstege. Die nach vorne breiter verlaufende Sitzfläche und die zurückversetzten S-förmigen Armstützen, auf denen die in seitlichem S-Schwung verlaufenden Armlehnen aufliegen, boten Platz für die weit ausladenden Krinolinenkleider der Zeit. Die Sessel ruhen auf kurzen, geschweiften Beinen, die in eine leicht gebogte Zarge laufen. Die geschwungene Formgebung erhält ihren zusätzlichen Reiz durch den flachen Reliefschnitzdekor aus stilisierten Akanthusblättern und –ranken mit C-Kurven, der Querleiste, Zarge und die Längsstege überzieht.

Holländische Stühle waren im 17. Jh. in erster Linie einfach und bequem. Repräsentativen Charakter erhielten sie durch die gewisse Monumentalität, die Verwendung anspruchsvoller Holzarten wie hier Nussbaum sowie die Bespannung der Polster mit Leder oder prächtig farbigen Stoffbezügen, die mit großen Messingknöpfen festgehalten werden konnten. Die breiten, annähernd quadratisch gepolsterten Sitze und Rückenlehnen sowie die stark gewundenen Stuhlbeine und kantigen Verstärkungen an den Ansatzstellen der Fußleisten und Stegverbindungen sprechen bei diesem Sitzmöbel für einen holländischen Ursprung.

Bänke gehören zu den ältesten europäischen (mehrsitzigen) Sitzmöbeln. In der Gotik meist mit Truhe als Kastenbank,  im 15. Jahrhundert dann mit bewegbaren Lehnen und seit dem
17. Jahrhundert auch gepolstert, später zum Sofa weiterentwickelt.

»Sessel« Eiche | Aachen-Lüttich, Mitte 18. Jh. vermutlich Kopien
»Stuhl« Nussholz | holländisch, um 1700
»Sitzbank auf Stollenfüßen« Eiche | Eifel, um 1800 | hohe Rückenlehne mit Füllungen

Aufbewahrungsmöbel

Typischerweise dienten Truhen als Aufbewahrungs- oder Aussteuertruhen, in denen Leinen und andere Aussteuergegenstände aufbewahrt wurden.
Armada-Truhen sind schmiedeeiserne Truhen mit kompliziertem Verschlussmechanismus und verstärkten Bändern, die im späten 18. Jahrhundert hergestellt wurden. Diese Truhen haben im Schloss eingravierte Ornamente mit den Buchstaben »A.T.« Die Größe dieser Truhen reicht von wenigen Zentimetern bis hin zu 2 Meter Länge.
Ebenfalls verbreitet waren Reisetruhen. Hierbei handelte es sich um tragbare, truheartige Behälter mit Scharnierdeckel, die häufig gewölbt waren, damit das Regenwasser ablaufen konnte. Seit dem 15. Jahrhundert wurde dieses Möbelstück vielfach mit Leder überzogen. Auch als Knechtstruhe in Eiche oder Weichholz bekannt.

Kommoden sind ein Im Zeitalter des Barock in Frankreich aufkommendes halbhohes
Kastenmöbel mit Schubladen, das wesentlich bequemer (frz. commode = bequem) war als Truhen, die sie ablösten. In vielen Formen und Ausführungen hergestellt, erfreute sich
die Kommode bald größter Beliebtheit in ganz Europa. Charakteristisch für die hier gezeigte Louis XVI-Kommode sind die Spitzbeine und abgeschrägten Ecken sowie Schleifenband,
Perlkranz und florale Girlanden als prägender Zierrat auf der Frontseite. Die flächige Schnitzornamentik des massiven bürgerlichen Möbelstücks ist dabei typisch für die Aachen-
Lütticher Region.

»Deckeltruhe« Fichtenholz | 1670 | Kastenform mit Liegekufen, Wappenkartusche und Datum
»Deckeltruhe mit gewölbtem deckel« Eiche | rheinisch, 18. Jahrhundert
»Kommode« Eiche | Aachen, um 1780 | gebrochene Ecken, dreischübig mit geschnitzten Füllungen